Tag 10

13.08.14
Nach dem Frühstück stiegen wir auf Arthurs Pick-Up und einer nach dem anderen wurde an seiner Schule abgeliefert. Meine ehemalige Zimmernachbarin und ich kamen an die WiangPhan school, an der wir letzten Freitag zu Gast gewesen waren. Ich hatte mir seitdem insgeheim erhofft und im Gefühl gehabt, dass dies meine Schule werden würde und war somit mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Arthur führte uns zum Direktor, der uns begrüßte und dann an seinen Stellvertreter weitergab. Arthur verließ uns. Den Vormittag über erkundeten wir das Schulgelände, lernten die anderen Lehrer kennen und versuchten, unseren Stundenplan zu füllen. Die Kinder haben drei Stunden Englisch in der Woche, eine davon gehört dem Kommunkationstraining mit uns. Alina übernimmt die Klassen 1 bis 3 in der Grundschule, ich 4 bis 6 und dann noch die restlichen drei Klassen der Mittelschule. Wir haben 13 Stunden in der Woche, einen Nachmittag Club Aktivitäten und einen anderen Scout-Aufsicht. Scouts sind so etwas ähnliches wie unsere Pfadfinder. Eine Mathelehrerin, die aber gutes Englisch spricht, begleitete uns die ganze Zeit, richtete uns mit Hilfe der Schüler einen Platz im Lehrerzimmer ein und ging mit uns Mittagessen. Die Lehrer teilten uns gleich mit, dass das Essen in der Cafeteria nicht gut schmeckt und wir deswegen jeden Tag 50 Baht zur Verfügung haben, die wir außerhalb in Restaurants ausgeben können.
Wir, unsere neue Freundin und eine weitere Lehrerin fuhren im Auto von Kruu Bill (Kruu heißt Lehrer) zu einem Hühnernudelsuppenstand. Ich teile Bill mit, dass ich Vegetarierin sei und sie führte mich zu einem Laden auf der anderen Straßenseite, der nur vegetarische Gerichte verkauft. Das war ein Paradies auf Erden. Ich konnte tatsächlich einfach ALLES in dem Laden essen! Und es schmeckte auch noch und war preiswert. Ich werde da wohl Stammkundin werden.

Nach dem Mittag hatte ich meine ersten zwei Stunden. Die anderen Lehrer hatten jedoch zu uns gemeint, dass wir uns am Anfang nur vorstellen sollten und dann dem Hauptlehrer beim Unterrichten zuschauen sollten. Erst morgen würden wir allein anfangen. Doch wie das in Thailand so ist: Es kommt immer anders, als geplant. So trat ich in den Klassenraum – und weit und breit war kein anderer Lehrer zu sehen. Die Kinder standen auf, schrien mir ein „Good Morning Teacher“ entgegen und warteten dann auf meine ersten Worte. Aufgeregt war ich komischer Weiser gar nicht, ich hatte ja immer noch leise Hoffnung, dass der „richtige“ Lehrer mich ablösen würden. Als nach meiner Begrüßung und Vorstellung jedoch niemand erschien, fand ich mich einfach damit ab, dass ich das nun allein schaukeln musste. Da ich nichts vorbereitet hatte, dachte ich mir spontan Aufgaben aus. Als erstes sollten die Schüler Namensschilder basteln und diese vor sich auf die Tische stellen. Allein ihnen das zu erklären, war eine Herausforderung und nur mit vielen Gestiken zu bewältigen. Es dauerte ewig, bis alle es einigermaßen geschafft hatten. Die Klasse war allgemein unruhig, manche liefen einmal quer durch den Raum und setzten sich auf einen anderen Platz. Ich ließ mich davon nicht stören. Als nächstes ließ ich jeden einzeln aufstehen, sich vorstellen und mir sagen, wie alt er ist und woher er kommt. Das Level der Kinder ist wirklich nicht gut. Sie sind Frontalunterricht gewöhnt, bei dem in der Gruppe nachgesprochen wird. Deswegen war es mir wichtig, jeden Einzelnen sprechen zu hören, um ihr Können einzuschätzen. Das wurde natürlich nach einer Weile für die restlichen Kinder langweilig, aber dagegen konnte ich nicht viel tun. Es hätte sie durcheinander gebracht, wenn ich den restlichen noch eine andere Aufgabe gegeben hätte. Ihr müsst immer bedenken: Ich spreche kein Thai, sie sprechen wenig Englisch. Meine Arbeitsanweisungen werden deswegen nur selten auf Anhieb verstanden, sondern bedürfen langer Erklärungen.
Jedenfalls konnte ich auf diese Art und Weise jeden Schüler einmal persönlich vor mir sehen und zum Sprechen bewegen. Dadurch konnte ich auch kleine Fehler korrigieren und richtig vorsprechen. Es ist nämlich ziemlich schwierig, bei 35 Kindern im Raum anders als so individuelle Fehler zu entdecken. Daraufhin widmeten wir uns den Zahlen. Die Kinder zählten einmal durch und nun hatte jedes Kind seine eigene Zahl. Nacheinander nannte ich durcheinander Zahlen, das dazugehörige Kind musste nun aufstehen, seine Zahl aussprechen und die Klasse sprach es dann nach. Auch das zu erklären, sorgte für Verwirrung, nach und nach verstanden die Kinder aber, was ich von ihnen wollte. Die Themen Farben und Körperteile sprach ich auch an, um für mich selber einschätzen zu können, was die Kinder drauf hatten. Dann sangen wir noch ein Lied über die Körperteile, „Head and Shoulders“. Den unruhigsten Jungen der Stunde holte ich mir nach vorn, er musste mit mir Tanzen. Am Anfang waren die Kinder etwas skeptisch, beim Singen aber hatten sie sichtlich Spaß.

So ähnlich verlief auch die nächste Stunde, die ohne Pause direkt anschloss, jedoch bei einer etwa zwei Jahre älteren Klasse. Vom Level her war jedoch der einzige Unterschied, dass die Kinder hier ein paar Vokabeln mehr kannten. Beim sprechen jedoch waren auch sie sehr schüchtern, in der Gruppe hingegen sehr laut. Auch hier unterhielt ich mich kurz mit jedem Schüler einzeln, um eine persönliche Beziehung aufzubauen. Ich änderte die Übungen leicht ab, sodass sie nun länger dauerten. Auch hier nannte man mich „Teacher Sabina“ und lachte, wenn ich ihre Namen falsch aussprach. Ich denke aber, ich schlug mich recht gut. Hiernach machten sich Alina und ich auf, und fuhren im leichten Nieselregen nach Hause. Nachdem ich noch das Essen von heute Mittag gegessen hatte, ging ich duschen, zog mich um und schlief erst mal drei Stunden durch. Ich war fix und alle.
Abends aß ich wieder, bereitete den Unterricht für morgen vor, schrieb Tagebuch und ging dann bereits kurz nach Neun schlafen. Meinen Wecker stellte ich mir auf 6.40 Uhr, so früh war ich ewig nicht mehr aufgestanden. Dann gönnte ich mir meinen verdienten Schlaf.

17.8.14 12:46

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