Tag 8

11.08.14
Heute ist der erste der beiden Feiertage zu Ehren der Mutter in Thailand. Morgen Früh sind wir bei einer christlichen Gemeinde in der Nähe der „Best Bar“ zu Feierlichkeiten eingeladen. Kurz nach 10 verließ ich mein Bett, hatte aber noch nicht wirklich Lust, aktiv zu werden und auch keinen Hunger. Also vervollständigte ich die letzten Tagebucheinträge, schnappte mir dann eine Drachenfrucht aus meinem Kühlschrank und lief nach unten. Vier von uns hatten sich wirklich auf den Weg zum Tempel gemacht, die anderen aßen noch oder entspannten in unserer neuen Hängematte. Wir unterhielten uns und warten bisher immer noch auf das Mittag essen. Die anderen werden mit mir zur Wäscherei gehen, sie wollen einen monatlichen Tarif vereinbaren. Da die Frauen dort aber kaum Englisch sprachen, wird das schwer werden, wenn sie den gleichen Ort meinen wie ich. Ich bin mir nicht sicher, ob es am Nachmittag vielleicht zu heiß sein wird für Sport, ich habe mich auch mit der Heimat zum Schreiben und Skypen verabredet und möchte deswegen, ins Cafe gehen. Nach dem Essen bin ich auch meistens erst mal geplättet... Also mal sehen ob das heute noch was wird.

Mittag war sehr lecker, es gab Nudeln und ich habe ordentlich nachgewürzt. Wie schon geschrieben, mit der Schärfe komme ich sehr gut klar, das macht mich etwas stolz! Jetzt werden wir uns eine Stunde ausruhen und dann zusammen zur Wäscherei gehen. Hoffentlich hat die überhaupt offen, hier kommt es ja immer etwas anders, als man plant.

Aus der Stunde wurden letztendlich drei, wie das bei Jugendlichen so ist. Die anderen erfuhren von einem Ehemaligen, dass die Gruppe vor uns ihre Wäsche immer in den Trommeln des Tesco gewaschen hatte. Deshalb wollten sich die anderen dorthin auf den Weg machen. Da ich etwas Angst hatte, dass meine Wäscherei am Feiertag geschlossen sein würde und ich mich für 17 Uhr mit Toni zum schreiben und mit meinen Eltern zum Skypen verabredet hatte, schnappte ich mir das Rad und machte mich auf den Weg. Die Wäscherei war natürlich noch offen, als ich mein Rad abgestellt hatte, kam mir eine Frau bereits mit meinem Beutel entgegen. Die Sachen darin waren gelegt und rochen angenehm. Ich legte sie nach vorn in den Fahrradkorb, kehrte um und fuhr zur Hauptstraße. Erst war ich mir nicht sicher, ob das Cafe geöffnet war, denn ich sah weit und breit keine Bedienung. Also hockte ich mich davor und bediente mich des WLANs. Nach einigen Minuten kam ich mir aber dumm vor, am Straßenrand zu hocken. Eine Frau auf einem Moped kam mir aus der Auffahrt neben dem Cafe entgegen und ich fragte sie, ob dieses heute geöffnet sei. Sie lächelte und nickte, also nahm ich mir meine Sachen, ließ das Rad stehen und setzte mich in den klimatisierten Innenbereich. Lange Zeit bemerkte mich niemand, aber dann konnte ich doch den leckeren Lemon Tea bestellen, den ich bei meinem zweiten Besuch hier entdeckt hatte. Er ist zwar rot und schmeckt kein Stück nach Limette oder Zitrone, aber ich mag ihn trotzdem! Endlich konnte ich auch mit meinem Lappi ins Internet und die Blogeinträge von Freitag, Samstag und gestern hochladen. Der Versuch, mit Papa zu skypen, schlug leider wieder fehl, ich weiß wirklich nicht, was ich bei der Anmeldung falsch mache. Da werden wir uns wohl mit Facebook – Kamera begnügen müssen.

Nach etwa einer Stunde tippte mir plötzlich jemand auf den Kopf. Dominik war hereingekommen. Als ich mich überrascht nach ihm umblickte, sah ich auch die Bedienung, eine ältere Dame, die ihn ganz schockiert anstarrte. Sofort wurde mir klar, was los war. Ich zischte Dominik an: „Oh man, du hast gerade meinen Kopf berüht!“ Seine Augen wurden groß und er entschuldigte sich unnötiger Weise auf Deutsch bei der Bedienung, die sich aber inzwischen abgewendet hatte und sich hinter dem Tresen versteckte. Der Kopf ist für die Thais das Zentrum der Seele und des Geistes und damit heilig, niemand darf ihn berühren. Also sind Dominik und ich jetzt entweder Barbaren oder mal wieder verheiratet – wie die Thais in der Bar auch schon denken. Das kann ja noch was werden! :D

Zumindest nutzten wir das Internet noch bis nach 18 Uhr und machten uns dann auf den Heimweg, um das Abendbrot noch warm genießen zu können. Auf der Straße flogen Fledermäuse tief über unsere Kopfe hinweg und 5 Straßenhunde machten einen heiden Lärm um nichts. Zu Hause erzählten die anderen, dass die Wäsche im Tesco auch um die 30 Baht kostete, also kann ich sie auch hier direkt an der Straße waschen. Nur ob man selber Waschmittel kaufen muss, weiß ich noch nicht. Wir entschieden uns dafür, zur Feier des Geburtstages der Königin morgen, sie wird 80, im Tesco noch Alkohol zu kaufen. Deswegen sind jetzt einige unterwegs, manche auch noch zum „Seven-Eleven“, ihr wisst vielleicht was das ist, ich selber hab keine Ahnung. Ich gehe jetzt also noch duschen und ziehe mir was leichteres an und harre dann der Dinge die da kommen mögen Allerdings werde ich heute wohl nicht so lange machen, da morgen um 11 ja diese Veranstaltung in der Gemeinde hier um die Ecke ist. Das Mädchen mit dem Insektenstich meinte zwar, dass sie dort sehr stark religiös sind, und bei Segnungen immer anfangen, zu weinen. Aber mich interessiert das hiesige Christentum dann doch und ich möchte gern Kontakte knüpfen – das geht an Feiertagen einfach am besten. Oben genanntes Mädchen hat übrigens Medikamente bekommen, für die sie nur 130 Baht bezahlen musste, morgen oder übermorgen sollte alles wieder abgeschwollen sein.

Die Jungen kamen wieder mit zwei Flaschen Whisky, der nicht wirklich gut schmeckte, und etwas Fruchtwein, der sehr süß schmeckte. Allerdings ist Alkohol hier genauso teuer wie in Deutschland, weswegen unser Budget nicht für mehr gereicht hat. Wir servierten die Drinks mit viel Eis und Cola. Während des Vorglühens schnappte ich mir ein Rad und fuhr damit vor das Internetcafe an der Hauptstraße, wo ich mir Internet harzte. Wieder zu Hause, zog ich mir ein anderes Oberteil an und ging dann zusammen mit den anderen in den Club. Es war allerdings noch vor Null Uhr, daher spielte dort nur eine Live-Band, zu deren Musik man nicht tanzen konnte. Ich verließ das Gebäude also noch einmal und unterhielt mich mit Mama über Voicemail. Sie teilte mir mit, dass meine Großcousine im Oktober nach Thailand in den Norden kommen würde, ich hoffe, ich kann sie treffen. Um 12 betrat ich den Club wieder und suchte nach der größten Person im Raum, da dort alle auf meiner Höhe waren, kein schweres Unterfangen. Ich gesellte mich wieder zu meinen Leuten um die Stehtische, eine Tanzfläche gibt es ja nicht, was mich ehrlich gesagt schon störte. Wir wechselten öfters mal den Standort, oder besser: Tanzort Thais gaben uns Getränke aus, aber so wirklich gute Stimmung kam nicht auf, zumindest nicht für länger. Vor allem hinderlich waren die Thai-Männer, die uns Mädels öfter mal auf die Schulter tippten und uns einen Drink vor die Nase hielten. Ich lehnte jedes Mal ab, da wir gelernt hatten, dass Fremde auch mal Drogen in die Drinks gemischt bekommen. Die anderen Mädchen tranken einige Schlucke, doch wir zogen uns immer gegenseitig von den unansehnlichen Thais weg, bevor diese aufdringlich werden konnten. Dann wurde einfach locker weiter getanzt. Unter der Woche schließen die Clubs um Eins, daher dauerte es nicht lang, bis die Musik ruhiger wurde und das Licht an ging. Da mussten wir feststellen, wie unattraktiv die Leute eigentlich sind, mit denen wir gerade getanzt hatten. Ich bin ja nun wirklich nicht oberflächlich und eigentlich stehe ich ja auf den asiatischen Typ, aber mir viel wirklich auf, dass kein einziger unter diesen wirklich vielen Männern auch nur einen Hauch Attraktivität versprühte. Da muss sich mein Opi also keine Sorgen machen, er hat mich nämlich darum gebeten, keinen Thai mit nach Hause zu bringen. Glaub mir, lieber Opi: Die Gefahr sinkt mit jedem Clubbesuch mehr und mehr.

Ich verließ das Etablissement eher als die anderen und stellte mich noch einmal an den Highway, um Whats App und Facebook zu aktualisieren. Kurz bevor ich wieder nach Hause gehen wollte, hielt neben mir plötzlich ein älterer Thai auf einem Moped. Zuvor hatten mir schon welche „I love you“ und „Hello“ zugerufen und waren immer fast von ihren Rollern gefallen, wenn ich freudig zurück grüßte. Doch bisher hatte nie jemand angehalten.
Der Mann sprach nur Thai, kein Wort Englisch und bedeutete mir, dass er mich mit nach Mae Sai nehmen wollte. Ich versuchte, ihm gestikulierend klar zu machen, dass sich mein Haus nicht weit entfernt befand, doch er verstand nicht, stieg ab und kam zu mir.
Er tippte mir mehrfach auf die Brust und hielt dann seine Zeigefinger nebeneinander. Ich konnte aus seinem Gerede nichts weiter verstehen, außer die Zahlen eins und zwei, verstand den Sinn aber nicht. Ganz kurz vermutete ich, dass er mich für eine Prostituierte halten könnte, weil ich ein rückenfreies Top und kurze Hosen trug und allein am Straßenrand rumstand. Er begann, mich an meinen Händen in Richtung seines Mopeds zu ziehen, aber er war nicht sehr stark. Immer wieder wiederholte ich: „It`s okay, it`s not far, I can walk, kop kun ka. Alles ist gut, es ist nicht weit, ich kann laufen, danke.“ und „Di chan kau tschai passah Thai nipnoi ka. Ich spreche nur wenig Thai.“ Darauf reagierte er gar nicht. Nach einer Weile ließ er mich wieder los und verstand wohl, dass ich nicht zu überreden war. Er zeigte mir durch Körpersprache, dass er mir nichts anhaben wollte, doch ich lief einfach weiter. Deshalb stieg er auf sein Moped und fuhr neben mir her. Zuvor hatte er noch auf seine Uhr getippt und die Straße hoch und runter gezeigt. Aus seinem ganzen Verhalten schlussfolgerte ich, dass er sich einfach nur Sorgen machte, dass ich zu dieser späten Stunde allein auf Thailands Straßen nicht mehr sicher nach Hause finden würde. Er begleitete mich bis zur Einmündung an der „Best Bar“, dann winkte ich die Straße hinunter und der Mann verstand endlich. Ich bedankte mich noch einmal und wünschte ihm unter Verbeugungen eine gute Nacht, bis er nicht mehr in Sichtweite war. Dann lief ich nach Hause, wurde noch einmal von Straßenhunden verfolgt und viel fix und alle auf meine harte Matratze.

Ich konnte zum Glück die ganze Zeit über mit Jonas Voice Mails austauschen, sodass ich das gesamte Geschehen aufzeichnete und ihm schickte. Zwischendurch tat ich auch einfach mal so, als würde ich mit ihm telefonieren, um dem Mann zu zeigen, dass ich nicht allein unterwegs war, sondern jemand wusste, wo ich mich befand. Es war ein ziemlich beruhigender Gedanke, dass jemand wusste, was gerade passierte, auch wenn er zu weit weg war, um effektiv etwas zu tun.

Ich glaube übrigens, dass das mit den Zahlen eins und zwei als „Bist du allein unterwegs oder wartest du auf jemanden, seid ihr zu zweit?“ zu deuten ist. Ich werde also immer besser darin, ohne Sprache zu kommunizieren. Aber es bleibt natürlich nur eine Vermutung.
Jaja, so was erlebt man des Nachts auf Thailands Straßen!

12.8.14 12:03

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