Tag 7

10.08.14
Erst kurz vor 12 erwachte ich, suchte mir Sportsachen heraus und ging duschen. Unten waren einige meiner Mitbewohner über eine Landkarte gebeugt. Sie erzählten mir, dass sie vor hatten, nach dem Mittagessen einen Affentempel südlich von Mae Sai zu besuchen. Erst war ich von der Idee nicht so begeistert, da sie meine eigenen Pläne durchkreuzte und ich mir nicht sicher war, was ich von Affen in einem Tempel halten sollte. Doch dann suchte ich nach dem Namen des Tempels in einem Reiseführer, welcher ihn so beschrieb: „Das Ziel der Pilger ist eine heilige Quelle, in der riesige Goldfische schwimmen, und eine beleuchtete Höhle, die über 279 Stufen zu erreichen ist. Vorsicht vor bissigen Affen!“ Klingt doch äußerst aufregend! Wir müssen nur noch zusehen, wie wir dahin kommen. Am besten, wir mieten uns ein rotes busähnliches Taxi.

Kurz nach dem Mittag ging es also los zur Hauptstraße und da in oben genanntes Taxi. Dieses fuhr uns aber nur zur regionalen Busstation hinter dem Tesco, an der auch Busse nach Chiang Rai und Bangkok starten. Nach kurzen Suchen fanden wir einen Bus, der auf dem Weg nach Chiang Rai an unserem Wat vorbei fahren würde. Wir zahlten 20 Baht (50ct) für die Fahrt, ich setzte mich ganz nach hinten. Die grünen Sitze waren leicht zerfleddert, aber durch Ventilatoren an der Decke und offene Fenster war der Bus recht gut belüftet. Leider war er aber nur sehr langsam, daher dauerte die Fahrt von ca. 6 km südlich aus Mae Sai heraus ziemlich lang. Jedoch konnten wir dadurch die Landschaft betrachten und entspannen. Unser Weg führte auf dem Highway entlang, an Reisfeldern, Wohnhäusern und Straßenständen vorbei durch das Tal zwischen hohen bewaldeten Bergen. Das Wetter war super, sehr warm und sonnig. Endlich erreichten wir unser Ziel, orientierten uns kurz und überquerten dann die Straße, um in eine Nebenstraße einzugbiegen, die genau auf den Eingang des Wat-Geländes führte. Allerdings war diese Straße unheimlich lang und langsam vermissten wir die Möglicheit, uns motorisiert fortbewegen zu können. Ich hatte zu Glück etwas Wasser dabei, aber es wurde trotzdem sehr warm. Die Straße führte vorbei an Wohnhäusern und kleineren Geschäften, Friseursalons weiteren Reisfeldern. Als wir das Eingangstor bereits erkennen konnten, zeigten die Wohnhäuser am Straßenrand plötzlich chinesische Schriftzeichen an ihren Eingangstüren. Was es damit auf sich hat, habe ich nicht herausfinden können.
Endlich erreichten wir den Wat, der aus einer Parkanlage mit einem Hauptgebäude, zwei Höhlen, einem steinernen Opfergebäude, einer Quelle und einem Miniaturzoo bestand. Zwischendrin sprangen die Affen umher. Das ganze war zu Füßen der großen Berge gelegen, die bewachsen waren mit grünen fremdländischen Pflanzen und Bäumen, die fast schon einem Dschungel glichen. Der Wat selber war nicht so prunkvoll, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, es war letztendlich nur eine quaderförmige Gebetshalle, an deren Ende ein Mönch gerade Gebete abhielt. Viele Thais zogen ihre Schuhe am Eingang aus, betraten die Halle, knieten sich nieder und verbeugten sich, um dann auf Knien näher an den Mönch zu rücken. Der Opferschrein, zumindest glaube ich, dass es einer war, war wohl das älteste und ursprünglichste der Gebäude. Er bestand aus schwarzem, mit Moos und anderen Pflanzen überwachsenen Stein, in den Figuren eingearbeitet waren. Davor befanden sich Abbildungen der zwölf Tiere, die im Buddhismus heilig sind und nach deren Namen die Jahre benannt sind. Ich bin zum Beispiel im Jahr des Schweines geboren.

Eine steinerne, moosbewachsene Treppe führte in das Innere des Berges. Am Eingang der Höhle befand sich ein Opferschrein und eine Buddhastatue. Der Boden war sehr glitschig und mit Pfützen und Schlamm überseht, sodass zwei von uns umkehrten, da sie Angst hatten, auszurutschen. Ich war da dann doch recht froh über meine Wanderschuhe. Das andere Mädchen (ich vermeide, Namen zu nennen) ging voraus, sie hatte eine Taschenlampe von einem Thai bekommen, der auf dem Rückweg aus der Höhle raus war. Ich nutzte das Licht an meinem Handy. Diese behelfsmäßige Beleuchtung war sehr notwendig, denn sonst wäre es stockduster gewesen. Es gab kein Licht, weder natürlichen noch künstlichen Ursprungs, und dabei hätte man es dringend gebrauchen können: Wenn man nicht aufpassen musste, wohin man trat, musste man auch noch Ausschau nach Stalagmiten und Stalaktiten halten. Ganz langsam setzte ich Schritt für Schritt voran und rief mich selbst zu besonderer Vorsicht auf, da ich in keinster Weise Lust darauf hatte, umzuknicken oder hinzufallen und mir wieder meinen Knöchel zu verletzten. An einer Stelle war der gesante Boden von einer großen braunen Pfütze bedeckt, die man nur am Rand, wo es langsam schräg zur Wand hinauf ging, umrunden konnte. Ich bin froh, dass ich mit meinem Papa oft in der sächsischen Schweiz oder allgemein wandern und auch klettern war, sonst wäre es mir nicht so leicht gefallen, den richtigen Tritt zu finden. Letztendlich endete der Pfad an eine Buddhastatue, die aber nur von Weitem sah, da sich der weitere Weg dort hin nicht gelohnt hätte. Dann hieß es also die ganze Strecke wieder retour. Wenigstens war es schön kühl gewesen und hatte den Hauch eines Abenteuers in unseren Ausflug gebracht.

Nun widmeten wir unsere Aufmerksamkeit dem Gebetsraum. Wir zogen unsere Schuhe aus und betraten ihn schüchtern. Der Mönch hielt immer noch seine Predigt, und da wir uns nicht niedergekniet hatten, kam ich mir etwas fehl am Platz vor. Aber meine Freundin meinte, dass sie ja wissen, dass wir keine Buddhisten sind. Auf jeden Fall kehrte ich so schnell wie möglich wieder um, das Gebäude war von innen wie auch von außen zudem enttäuschend schmucklos und eher modern gehalten... bzw für thailändische Verhältnisse modern. Wir liefen weiter links an den Bergen entlang, vorbei an kleinen Straßenständen, die Essen und Trinken verkauften, schauten uns kurz den Minizoo mit Alligatoren, Pfauen, Kaninchen und anderem an und kamen dann in den Bereich der Anlage mit den meisten Affen. Bisher hatten sie nur vereinzelt auf dem Weg gehockt oder in den Bäumen oder auf dem Dach der Gebetshalle. Hier nun aber, auf dem Weg zu eine Brücke, die über einen kleinen Teich führte, saßen und liefen sie in Rudeln herum, ließen sich mit ihren Babyaffen fotografieren oder füttern.
Nach der Brücke folgten die angekündigten 279 steinernen Stufen hinauf zur zweiten Höhle. Uns kamen einige unserer Mitbewohner entgegen, wir rieten ihnen davon ab, die andere Höhle zu besuchen. Der Aufstieg war schweißtreibend, sollte aber nicht so lange dauern wie der Abstieg. Oben angekommen, machten wir noch einen kurzen Abstecher auf einen Aussichtspunkt und betrachteten das vor uns liegende Tal. Wir entdeckten außerdem einen kleinen, wie wir vermuteten, Badesee zu unserer Rechten. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es weiter zum Höhleneingang. Ich erwartete spektakuläre Beleuchtung des Gesteins und eine heilige Quelle, bekam aber nur eine stinknormale Höhle, in der Wasser von der Decke tropfte, sodass der Boden wieder rutschig war und mehre Buddhastatuen standen, die nicht mal einen sonderlich alten Eindruck erweckten. Wenigstens konnte ich die Natur genießen und blieb etwas länger als die anderen in der Kühle. Der Abstieg dauerte länger, da die Stufen schmal waren und etwas rutschig waren, so wie alles hier. Meine Schuhe waren inzwischen mit Schlamm überseht, er war bis an meine Waden gespritzt. Wieder war ich langsamer als die anderen, weil ich mich immer noch nicht hundertprozentig sicher fühle, was die Stabilität meines Gelenkes angeht und ich lieber nochmal auf Nummer sicher gehe, bevor ich den nächsten Schritt wage.
Unten angekommen kauften sich einige unserer Gruppe ein Eis und ich entdeckte die riesigen bunten Goldfische in dem Teich, den ich somit auch als „heilige Quelle“ identifizieren konnte. Wir liefen aus dem Park heraus in Richtung des Sees, den wir von oben gesehen hatten. Dabei wurde Einer von uns das Eis geklaut. Von einem Affen.
Das Tier hängte sich mit seiner ganzen Kraft, und die ist beträchtlich, an ihre Tasche, zog sie damit in seine Reichweite und, während sie sich auf ihren rechten Arm konzentrierte, schnappte sich ihr Eis aus ihrer linken Hand. Als er begann, an ihrer Tasche zu ziehen, war ich erst geschockt. Als Er sich dann aber nur das Eis schnappte, mussten wir alle herzlich lachen. Und die umstehenden Thais lachten mit.

Der Weg zum See war nochmal ein dschungelartiger, schlammiger Pfad. Wir realisierten, dass man solche Wanderungen und Höhlenbesuche einfach nicht in der Regenzeit unternehmen sollte. Die Bambushütten, die wir von oben gesehen hatten, gehörten zu einem kleinen Ressort, in dem laute Rockmusik gespielt wurde. Wir schlängelten uns hindurch bis zu einem Parkplatz und von da aus hinunter an das Ufer des Wassers. Dann genossen wir die Landschaft, das grün-blaue Wasser und die saftig-bewachsenen Berge, die teilweise wolkenverhangen vor uns lagen. Nach vielen versuchen, das Ganze als Panorama aufzunehmen, machten wir uns auf den Rückweg. Wieder mussten wir eine unendlich lange Straße entlang in Richtung Highway laufen, langsam verließen uns die Kräfte. Wir passierten ein College, auf dessen Sportplatz Männer Basketball spielten, und eine normale Schule.
Am Highway selber warteten wir neben einer Polizeikontrolle auf einen erhofften Bus. Als lange Zeit keiner kam, lief ein Polizist zu uns herüber und fragte in recht gutem Englisch wohin wir wollten. Er hielt uns einen Pickup an, wir bestiegen die Ladefläche und ab ging es in Richtung Tesko. So besorgt man sich in Thailand eine Mitfahrgelegenheit!

Der Fahrtwind kühlte schön, doch wieder musste ich wegen den Kontaktlinsen aufpassen. Der Weg kam mir viel länger vor, als mit dem Bus, obwohl wir um einiges schneller waren. Ich genoss die Landschaft, Reisfelder und Berge, die in das Licht der untergehenden Sonne getaucht waren.
Am Tesco war gerade Markt, wir schlängelten uns durch die engen Gassen und an den gut Besuchten Ständen vorbei bis zum Hauptgebäude. Eine Freundin und ich gingen ohne die anderen hinein, sie versuchte, Geld abzuheben, jedoch funktionierte ihre Karte an keinem Automaten. Sie war den Tag zuvor von einer asiatischen Riesenhornisse in den Finger gestochen worden, ihr ging es gar nicht gut. Sie bat mich, mit ihr Motorradtaxi zu fahren, da diese uns direkt vor die Haustür bringen würden. Da ich auch keine Lust mehr auf laufen hatte und sie nicht allein lassen würde, stimmte ich zu und wir liefen in Richtung Straße, um an einer Bushaltestelle mehrere Männer in orangen Westen zu finden. Das Problem war nur, dass wir unsere Adresse nicht kannten. Es dauerte lang, eh sie begriffen, dass wir ihnen den Weg einfach direkt während des Fahrens ansagen würden. Außerdem kam erschwerend hinzu, dass sie uns nicht zusammen auf einem Motorrad fahren lassen wollten. Ich hatte aber Angst, dass meine Freundin während der Fahrt in Ohnmacht fallen würde, und wollte deswegen eigentlich hinter ihr Sitzen, um sie stützen zu können. Letztendlich mussten wir aber zustimmen und ich stieg ohne sie auf. Da mein Papa eine Maschine hat, wusste ich, wie ich aufsteigen musste, dass man den Auspuff nicht berühren sollte und kannte das Fahrtgefühl. Auf gar keinen Fall darf man den Fahrer als Frau anfassen, man muss sich an den Griffen hinter einem festhalten. Das mit dem Auspuff erwähne ich, weil sich eben jene Freundin, mit der ich nun unterwegs war, am Tag davor auf dem Weg zum Krankenhaus daran verbrannt hatte.

Letztendlich fanden wir den Weg, mein Fahrer entschuldigte sich auf der Fahrt bei mir für sein schlechtes Englisch und ich überlegte, ob ich ihm auf Thai sagen sollte, dass ich auch nur etwas von seiner Sprache beherrschte, traute mich dann aber doch nicht. Ich glaube, es hätte ihn gefreut zu wissen, dass er nicht der Einzige mit fehlenden Sprachkenntnissen ist. Wir zahlten 30 Baht für jeden und liefen dann zum Haus. Das Essen stand schon bereit und wir begrüßten es mit Freude. Nach und nach trudelten die anderen ein, die sich noch eine Weile auf dem Markt umgesehen hatten. Zwei hatten Insekten gekauft, die sie nun mit scharfer Soße aßen. Meine Freundin fuhr dann los zu unseren Betreuern, um ins Krankenhaus gebracht zu werden. Wir anderen gingen nach dem Essen mit Cernal in die Bar, rückten zwei Tische zusammen und begaben uns dann mal wieder ins Internet. Ich konnte die Berichte der letzten drei Tage noch nicht posten, da ich mit meinem Laptop nicht in das Internet der Bar reinkomme, wieso auch immer. Auch mit Skype komme ich nicht so ganz klar, wie ich nur immer wieder betonen kann: Technik ist einfach nicht meins.

Bis 12 blieben wir dort, ein betrunkener Thai belustigte uns noch, er wurde von seinen Freunden zum Auto geschafft. Es hatte wieder stark mit regnen begonnen, sodass wir im Niesel nach Hause liefen. Cernal hatte die ganze Zeit über ruhig unter unseren Stühlen gelegen.
Zu Hause begab sich jeder gleich auf sein Zimmer, wir waren sehr geschafft vom ganzen Wandern in der Hitze Thailands. Morgen wollen einige von uns wieder einen Tempel besuchen, aber dazu habe ich nicht nochmal die Kraft. Ich möchte meine Wäsche abholen, dazu bin ich ja heute nicht gekommen, und den Park besuchen, in dem man Sport machen kann. Mal sehen, was daraus wird. Gute Nacht!

11.8.14 12:24

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