Tag 6

09.08.14

Lautsprecherdurchsagen weckten mich halb neun. Alina und ich kamen uns ein bisschen wie in einem Überwachungstaat vor, auch wenn wir die thailändische Durchsage nicht verstehen konnte. Wo genau sich eigentlich die Lautsprecher befinden sollen, weiß ich auch nicht so recht. Da wir keine Termine hatten, legten wir uns wieder hin. Ich schlief noch bis halb 12, aß meine vier Scheiben Toast und ging duschen. Bis zum Mittag wurde ich nicht sonderlich produktiv, dann gesellte ich mich zu den anderen nach unten und wir besprachen den Tag. Keiner außer mir wollte bereits jetzt Wäsche waschen, mir wurde aber erzählt, dass sich auf dem Weg zum TESCO eine Wäscherei befinden sollte. Wir begannen nach dem Essen mit der Zimmeraufteilung, ich habe nun wirklich das einzige Einzelzimmer am Ende der oberen Etage zum Maisfeld hinaus. Wir putzten unsere alten Zimmer und zogen dann um. Nach einem kurzen Regenschauer zeigte sich die Sonnte und wir liefen los in Richtung Einkaufsmarkt. Cernal begleitet uns natürlich wieder. Es wurde schwülwarm und ich verstand nun, warum viele Thais bei Sonnenschein mit Schirm rumliefen. Das hätte ich mir sicher vorher schon denken können, doch der lange Weg und die intensive Sonneneinstrahlung verdeutlichten mir den Sinn dahinter. Einen Schirm zu kaufen, habe ich dummer Weise trotzdem vergessen. Während ich diese Zeilen schreibe, grollt draußen der lauteste Donner seither und Blitze schießen vom Himmel. So schnell ändert sich das Wetter hier also. Lässt es nie langweilig werden.
Die Wäscherei war einfach nur ein Wohnhaus, in dessen Eingangbereich Waschmaschine, Trockner, Bügelbrett und Wäscheleinen aufgestellt waren. Zwei Frauen und ein junges Mädchen aßen und schauten Fern, als wir vorbei liefen. Schüchtern trat ich ein, nur das Mädchen sprach ein wenig Englisch, war aber zu schüchtern, auch wenn ihre Mutter sie nach dem Motto aufforderte: „Du hast es doch in der Schule gelernt!“ Als die Kleine dann wirklich „Five Baht“ sagte, war ich innerlich ehrlich gesagt sehr stolz und hätte sie am liebsten wissen lassen, dass ich sie mit etwas Glück und viel Zufall vielleicht sogar unterrichten würde.
Nur die Art und Weise, wie der Preis errechnet wurde, erschien mir etwas merkwürdig. Da ich ja die Zahlen auf Thai kenne, konnte ich mitzählen und kontrollieren, was die Frauen rechneten. Jedes Wäschestück kostete als 5 Baht, die Mutter zählte 15. Ihre Tochter tippte also 5 mal 15 in ihren Taschenrechner ein, zeigte mir darauf dann aber ein Ergebnis von 80 Baht. Ich schaute etwas skeptisch, aber auch amüsiert und zahlte gern den Touristenaufschlag. Das nächste Mal werde ich aber wohl an einen anderen Ort gehen, denn zwei Euro für mein bisschen Wäsche ist wirklich viel in Thailand. Morgen kann ich mir die Sachen jedenfalls abholen.
Wir verliefen uns dann noch einmal, fanden den Weg zum Tesco letztendlich aber doch. Nur der Hund musste draußen bleiben. Jeder kaufte für sein neues Zimmer Einrichtungsgegenstände, ich z.B. einen Badvorleger, ein kleines Regal zum an die Wand kleben, einen Mülleimer, Essstäbchen, Klebezettel und ein neues großes Handtuch für 500 Baht. Ich hatte zuvor schon zwei gekauft, für rund 100. Die fusselten jedoch und man war immer noch nass, nachdem man sich abgetrocknet hatte. Also gebe ich lieber etwas mehr Geld aus und habe dann auch etwas Ordentliches... Jedoch habe ich schon festgestellt, dass auch dieses teurere Tuch Wasser nicht wirklich gut aufnimmt. Ich vermisse die deutsche Qualität. Der Höhepunkt des Einkaufs jedoch, auf den ich sehr stolz bin, war eine neue marineblaue Bluse mit weißem nietenbesetzen Kragen und kurzen Ärmeln. Ich bin sehr froh, dass ich endlich etwas Schultaugliches gefunden habe, was schick aussieht, aber trotzdem einem Lehrer angemessen. So langsam stimme ich mich also auf die Rolle ein.

Mit viel zu vielen Plastetüten bepackt bestiegen wir wieder ein rotes öffentliches Taxi und zahlten 15 Baht für die Heimfahrt. Die anderen gingen vor, ich machte noch einmal einen Abstecher ins Internetcafe. Auf der Terrasse breitete ich meine Einkauf aus und setzte mich dann. Bedient wurde ich aber aus einem mir unbekannten Grund nicht. Nach 20 Minuten verließ ich das Cafe und machte mich auf den Weg nach Hause, um das Abendessen nicht zu verpassen. Ihr merkt schon: auf den Markt gegangen sind wir nicht. Andere aus meiner WG waren tagsüber in einem Park gegenüber einer großen High School, an der wir einmal vorbeigefahren waren. In dem öffentlichen Park gab es eine Joggingstrecke, Geräte wie aus dem Fitnessstudio, nur in schlechterem Zustand und auf Thaigrößen zugeschnitten und einen Basketballplatz.
Da das Essen noch nicht da war, packte ich die Einkäufe aus, baute das Regal auf und richtete mein Zimmer komplett ein. Nun ist alles an seinem Ort und mein normales Leben hier kann beginnen.
Ich kann erfreut berichten, dass ich inzwischen absolut nicht mehr so empfindlich gegenüber scharfen Speisen bin, wie ich es als Kind und Jugendliche war. Ohne geübt zu haben, kann ich nun einfach unsere Mahlzeiten hier mit Chilischoten und Gewürzen und Soßen verfeinern, ohne gleich an die Decke zu gehen. Natürlich ist es scharf, aber ich habe Gefallen daran gefunden und es ist aufregend, seine Grenzen dahingehen zu testen. Nach dem Essen räumten wir auf und verabredeten uns für den Marktbesuch. Da es hier ab um Sieben dunkle wird, würde es also ein Nachtmarktbesuch werden. Ich schrieb weiter mein Tagebuch und wartete, dass die anderen zum Aufbruch riefen. Plötzlich wunderte ich mich, wieso das Geräusch des Ventilators auf einmal ruckartig lauter wurde, obwohl ich seine Stärke nicht geändert hatte. Nach einigen Momenten begriff ich Dussel, dass die Fenster offen waren und es draußen einfach sturzbachartig zu regnen begonnen hatte. Ich lief auf die Terasse, die anderen Mädchen standen dort auch. Sie teilten mir mit, dass sie Jungen bereits voraus gegangen waren, da man es sich in Zweiergruppen am besten Trampen ließ. Wir bedauerten sie ein wenig und einigten uns, auf das Ende des Schauers zu warten und dann loszulaufen. Da es bis jetzt aber noch nicht aufgehört hat und es immer später wird, glaube ich nicht, dass das heute noch was wird. Vielleicht gehe ich noch einmal mit unserem großen Schirm und meinen Wanderschuhen bewaffnet in die „Best Bar“. Eine Taschenlampe nehme ich am Besten auch mit, draußen ist es stockduster.

Einen Schirm fand ich zwar nicht, aber wenigstens begleitete mich Cernal hin und zurück. Ich nahm mir vor, morgen den Park zu suchen, in dem die anderen zuvor die Fitnessgeräte entdeckt hatten. Nach null Uhr schlief ich ein.

11.8.14 12:07

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