Tag 5

08.08.14

Ich erwachte mit leichten Magenschmerzen, die Litschis von gestern Abend waren wohl vergoren. Zum Frühstücken hatte ich auch kaum Zeit, da ich zu spät aufgestanden war. Schon holten uns zwei Frauen in ihren Privatautos ab und brachten uns zu einer recht großen Schule in der Nähe der Hauptstraße. Unsere Fahrerin sprach ein bisschen Englisch, aber sehr viel konnten wir uns nicht mit ihr unterhalten. Vor dem Tor der Schule parkte sie, einige Essenstände vom lokalen Markt waren bereits aufgebaut. Wir folgten unseren Begleitern durch das Eingangstor in den Schulbereich. Ein schmaler Weg führte an einem Sportplatz vorbei zum Hauptgebäude. Die Schule bestand aus vereinzelten, kleinen bis großen Gebäuden und nicht einem zusammenhängenden Komplex. Schüler mehrere Schulen waren zu Besuch, man konnte sie an den unterschiedlich bunten Schuluniformen unterscheiden. Das Alter der Kinder reichte von ca. 5-6 bis hin zu 16, schätze ich. Man führte uns in einen Raum im Hauptgebäude hinter dem Rasen, auf dem sich gerade die morgendliche Versammlung unter gehisster Flagge abspielte. Jede Klasse stand mehr oder weniger ordentlich und diszipliniert in mehreren Reihen nebeneinander, ein Sprecher auf der Bühne hielt eine Rede auf Thai, manchmal wiederholten die Kleinen einzelne Worte. Der Raum, in den man uns führte, sollte wohl das Lehrerzimmer darstellen, doch er war recht leer. Wir trafen dort mehrere Thailehrer, männlich und weiblich, die sich festlich angezogen hatten. Man platzierte uns auf Stühlen in einem U und ließ uns warten.
Nach einer Weile führte man uns aus dem Gebäude heraus vor eine Bühne in den Zuschauerbereich. Zwei Reihen vor uns saßen die Lehrer der Gastgeberschule und der Direktor, während der Wartezeit kamen immer mehr hinzu. Der Direktor einer anderen Schule begrüßte uns auf Englisch und eine kurzhaarige Englischlehrerin ebenso. Dann folgten viele Reden auf Thai, mit einigen englischen Phrasen dazwischen, wir verstanden aber nicht viel.

Man erklärte uns, dass es bei der Veranstaltung um die ASEAN ging, die 10 Mitgliedsstaaten wurden in von den Kindern entworfenen Ständen vorgestellt. Die ausgestellten Plakate und Arbeiten waren im Unterricht gebastelt worden. Jedes Kind bekam einen Steckbrief, den es zu jedem Land ausfüllen musste. So liefen die Kinder von Station zu Station und bestaunten die Plakate, spielten Spiele und malten. Durch die verschieden farbigen Uniformen und das unterschiedliche Alter der Kinder ergab das Ganze ein kunterbuntes Bild von wuselnden süßen Kindern, die uns fasziniert anschauten und vereinzelt mit dem Wai oder „Good Morning Teacher“ begrüßten.
Auf der Bühne, vor der wir saßen, wurden erst Reden gehalten. Dann kam für mich persönlich ein erster Höhepunkt: ca. 14 Mädchen betraten die Bühne, jedes repräsentierte eines der 10 Mitgleidsstaaaten, vier von ihnen Thailand, in den traditionellen Gewändern der jeweiligen Nation. Sie trugen viel Schmuck und waren stark geschminkt, jedoch alle barfuß. Zuerst tanzten sie gemeinsam, dann trat jede einzeln in die Mitte und tanzte zu jeweils traditioneller Musik landestypische Tänze. Wir versuchten, jedem Mädchen ihr Land zuzuordnen, aber wir konnten uns nur bei Vietnam, Thailand und den Philippinen einigermaßen sicher sein. Aus der ersten Reihe drehte sich der Rektor einer Schule ab und zu um und erklärte uns die Staaten, aber meist verstanden wir ihn wegen der lauten Musik schlecht bis gar nicht. Er wies uns jedoch darauf hin, dass eines der Mädchen auch das alte Thailand, also Siam darstelle. Ich fand es faszinierend, bei meinem ersten Besuch in Asien bereits einen Großteil der Südöstlichen Länder vorgestellt zu bekommen und zu sehen, dass ihre Kultur auch gepflegt wird. Es spielte noch eine Marchingband, bei der Hymne erhoben wir uns von unseren Stühlen und neigten am Ende leicht den Kopf. Dann durften wir uns zu den Lehrern stellen und ein (bzw. nach asiatischer Art sehr viele) Gruppenfoto(s) machen. Die Stimmung war super, alle Lehrer sehr nett und offen. Wir folgten einer Gruppe entlang der Stände einmal um das Schulgelände, schlenderten an den eifrigen Schülern vorbei und versuchten angestrengt, sie nicht mit dem Wai zurückzugrüßen, denn das macht kein Lehrer. Wieder trafen wir im oberen Bereich des Schulgeländes die Englischlehrerin mit den kurzen Haaren, sie sprach recht gut. Auf einem Grill briet sie Omlett in Bananenbaumblättern. Die Jungs ihrer Klasse machten sich augenscheinlich über die Form unserer Nasen lustig, wir ignorierten sie einfach. Die Klassenräume waren bunt und von normaler Größe. Wir liefen weiter zu den nächsten Ständen und sahen Bücher auf Englisch, die die Kinder gebastelt und gemalt hatten. Handgemachte Waren, Taschen und Oberteile lagen auf einem anderen langen Tisch aus, einige von uns kauften sich etwas. Vier Thai-Frauen, die sich uns als Supervisor u.ä. Vorstellten, gesellten sich zu uns, fragten uns aus und machten natürlich Bilder mit und von uns. Ich bekam langsam Durst und Hunger, aber die Toilette umging ich, denn als ich in den Raum lunzte, konnte ich weder Toilettenpapier noch Arschdusche entdecken.

Halb 12 aßen wir endlich Mittag, lang ersehnt nach einem trockenen Toast um 8 Uhr. Schüsseln mit Reisnudeln waren auf einem niedrigen Tisch aufgetürmt, die Lehrer aßen abseits der Schüler neben einen kleinen Spielplatz. In einem riesigen Topf gab es Brühe mit Leber, Hühnerfuß entdeckte auch jemand in seinem Essen. Ich holte mir meine erste Portion Nudeln und ging zu den Schüsseln, in denen sich Sojasprossen, Salat und anderes Gemüse befanden. Da meine Mitbewohner nicht so gut mit Stäbchen umgehen können, half ich ihnen beim Auftun. Ich bin mir aber sicher, dass wir alle nach einem Jahr Profis im Stäbchenbenutzen werden! Nach zwei weiteren Portionen war ich satt und hoffte, dass das auch bis zum Abendbrot anhalten würde. Tat es übrigens nicht Zwischendurch wurde uns auch noch das Mittagessen geliefert, dass wir eigentlich zu Hause gegessen hätten. Wir nahmen es mit nach Hause, ein bisschen was aßen wir auch. Wir wollten unsere Reste und den Müll eigentlich aufräumen, aber gleich kam eine Lehrerin und meinte, dass die Schüler das für uns tun würden. Wir fühlten uns etwas schuldig, aber so ist das in Thailand halt. Unsere Frage, wann und wie wir wieder nach Hause gehen würden, mussten wir gar nicht stellen. Wir wurden direkt vom Essen zu einem Truck geführt, auf den wir über eine Treppe stiegen. Drei Thai-Jungen in pinken Uniformen begleiteten uns, sie sprachen aber kaum Englisch bzw. trauten sich nicht.

Zwei von unseren Mädchen werden an der Schule unterrichten, doch niemand konnte uns Namen nennen. Mal sehen, was sich ab nächster Woche herausstellt.

Beim Aussteigen aus dem Truck ließ ich erst meinen Rucksack vor mir auf den Boden plumsen und sprang dann hinterher. Im Zimmer angekommen, packte ich meine Lappi aus, weil mir eingefallen war, dass ich ihn ja mitgenommen hatte. Der Bildschirm war tatsächlich gesprungen, rechts oben in der Ecke ziehen sich die Risse in Wellenform gen Mitte. Ich und zwei meiner Gruppe machten uns auf den Weg in die Stadt, um einen Reparaturladen zu finden und Geld abzuheben. Lange liefen wir umher, von Laden zu Laden, doch die ersten konnten mir nicht helfen und der letzte nannte mir einen Preis von 9000 Baht aufwärts, da es sich um einen Touchscreen handelt. Das wären rund 250 Euro.... Also muss ich damit jetzt wohl klarkommen. Ja, ich weiß, ich bin dumm. Tut mir leid.

Unsere Hündin begleitet uns, vor dem Tesco machte ich ihr klar, dass sie uns nicht hinein begleiten konnte. Im Laden hob ich noch Geld ab und stöberte durch die Gänge an den Ständen vorbei. Dann liefen wir weiter, mussten dann aber wieder umkehren, da wir den genauen Weg zu dem Laden, den wir suchten, nicht kannten. Am Tesco stiegen wir in einen roten Transporter, sowas wie ein öffentliches Taxi. 15 Baht kostet eine Fahrt. Der Laden, zu dem die Fahrerin uns brachte, konnte uns jedoch auch nicht weiter helfen. Auf dem Weg nach Hause machten wir noch Halt am Cafe und gingen ins Internt. Diesmal trank ich einen Tee, der wirklich lecker war, zwar verdammt süß, aber lecker. Auf dem Weg zum Tesco waren wir an einem Straßenstand vorbeigekommen, der lebende Tiere verkaufte. Darunter waren auch kleine flauschige Hundebabys, die in Gruppen in viel zu engen Stahlkäfigen gehalten worden. Wir liefen daran zwei Mal vorbei, sie fiepten jedes Mal. Die Frau am Stand verkaufte auch Kaninchen und Mäuse. Runterschlucken und Hinnehmen.

Auf dem Weg zur WG kamen Dominik und ich an einem Geschäft vorbei, dass mir Deborah zuvor gezeigt hatte, als ich nach einem Ort zum Wäsche waschen gefragt hatte. Wir zogen unsere Schuhe am Eingang aus und fragten nach. Draußen vor dem Laden stand ganz einfach eine Waschmachine, in die man 30 Baht einwirft und dann seine Wäsche waschen kann. Ob wir aber Waschmittel selber einfüllen müssen, wissen wir noch nicht.

Zu Hause schnitt ich mir eine Zeh an unseren Baumstämmen auf, die wir als Stühle um den Essenstisch benutzen. Wichtig ist dann, dass man die Wunde sofort desinfiziert und ein Pflaster darauf macht. Ihr könnt euch vorstellen, wie das brannte. Das Pflaster sprühte ich auch ein, bevor ich es benutzte. Auch bevor ich meine Kontaktlinsen rein und raus mache, muss ich meine Hände desinfizieren, weil man sich nicht auf die Leitungswasserqualität verlassen kann. Wieder brachte ich Cernal dazu, das Wohnzimmer zu verlassen. Es dauerte zwar etwas, weil sie gerade sehr gemütlich gelegen hatte, aber ich musste sie wenigstens nicht anschreien. Dann begann ich, weiterzuschreiben, Hunger meldete sich an. Das Essen kam, aber es war nichts vegetarisches dabei, wie ich zuerst dachte. Unsere Lieferantin fuhr also noch einmal los, um etwas für mich kochen zu lassen. Während des Essens meinten die anderen jetzt jedoch, dass gar kein Fleisch enthalten war. Mal sehen, ob unsere Thai noch wiederkommt, oder der Koch ihr sagt, dass er doch keinen Fehler gemacht hat.

Außerdem: Die Haushälterin hier hat vier der zehn Zimmer zugeschlossen. Das heißt, dass nur noch einer von uns ein Einzelzimmer bekommen kann. Ich habe das Gefühl, dass jetzt schon fest steht, dass ich das sein werde. Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Eigentlich bin ich gern in meinem eigenen Raum, jedoch die anderen sicher auch. Außerdem habe ich die Befürchtung, dass dann alle anderen enger zusammenwachsen, da sie dann jeder ihren Mitbewohner besser kennenlernen, während ich allein bleibe. Wir werden das noch besprechen müssen, nach dem Essen. Oder wir rufen Deborah an und fragen sie, ob sie uns die anderen Zimmer wieder aufschließt.

Dominik und ich sind noch einmal in die „Best Bar“ an der Ecke zur Hauptstraße, um das Internet zu nutzen. Die Bedienung nahm unsere Bestellung auf und sagte zu Dominik: „Beautiful!“, und zeigte auf mich. Wir mussten peinlich gerührt lachen, die Thais denken, dass man verheiratet ist, sobald man als Mann und Frau allein wohin geht. Wenn mich dann das nächste Mal jemand von der Bedienung mit einem anderen Jungen per Zufall allein sehen sollte, werde ich als seine Schwester oder eine Schlampe eingestuft! Klasse, oder? Wir lassen den Abend hier bei live Musik ausklingen und gehen dann wieder zurück zur Wohnung. Morgen wollen wir einkaufen und eine Park besuchen, wo es öffentliche Sportgeräte zu geben scheint. Die Zimmer konnten wir noch immer nicht aufteilen, da wir Debbi nicht erreichen konnten. Wir haben ihr eine Zettel in den Briefkasten geworfen, sie wohnt ja nicht weit von uns. Cernal ist mit uns in die Bar gekommen, erst wollte ihn der Nachtwächter rausschmeißen, aber als das nicht klappte hat er uns erlaubt, ihn zu unseren Füßen liegen zu lassen. Da bleibt er jetzt auch ganz brav liegen. Ich hoffe morgen auf einen ebenso guten und entspannten Tag, wie heute, denn Samstag ist Markttag. Dann kann ich auch endlich meine Wäsche waschen gehen und neue Anziehsachen auf dem Markt erstehen.

11.8.14 12:00

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